Ich habe eine unglaubliche Vielfalt erlebt – sowohl in der Gestaltung als auch in den Medien, den Stories und natürlich in den Inszenierungen. Insgesamt habe ich an viereinhalb Tagen rund zwölf bis vierzehn Stunden täglich auf dem Gelände verbracht – und trotzdem nur einen Bruchteil gesehen. Beeindruckend war für mich nicht nur die Fülle an Pavillons, sondern auch die Bandbreite an Inszenierungen: von aufwendigen Multimedia-Shows bis hin zu sehr reduzierten, klaren Konzepten. Spannend war auch, andere Besucher*innen zu beobachten: Wo bleiben sie stehen, was fesselt sie, was übersehen sie? Und ich habe wahnsinnig viel darüber gelernt, was funktioniert und was nicht.
Entscheidend ist die Verbindung von Klarheit und Interaktivität. Eine gute Story allein reicht nicht – man muss die Menschen aktiv einbeziehen. Der deutsche Pavillon schafft das mit kleinen interaktiven Maskottchen, den „Circulars“. Sie sprechen mehrere Sprachen und führen die Besucher*innen spielerisch durch die Inhalte. Beim japanischen Pavillon sind es visuell starke Bilder, die man sofort versteht. Das Ergebnis: Ich habe mich nicht belehrt gefühlt, sondern neugierig und motiviert, mehr zu erfahren.




Vom japanischen Pavillon über den deutschen bis zum spanischen – bei den Inszenierungen gingen die Länder ganz unterschiedliche Wege.
Vor allem der deutsche und der japanische Pavillon haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Deutschland hat das Thema Kreislaufwirtschaft konsequent umgesetzt – gestalterisch, thematisch und dramaturgisch. Es gab eine klare Storyline, interaktive Elemente und viele kleine Impulse, die Lust gemacht haben, Neues zu entdecken. Japan hat Nachhaltigkeit als Kreislauf inszeniert – von Abfall zu Wasser, von Wasser zu Material, vom Material zum Produkt. Das war nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch inhaltlich stark. Mit einfachen, aber ästhetisch überzeugenden Beispielen haben sie komplexe Zusammenhänge verständlich gemacht.
Aufmerksamkeit entsteht nicht durch Standardlösungen, sondern durch Inszenierungen, die überraschen und einladen. Und die eigentliche Kunst ist, diese Aufmerksamkeit in Verstehen zu übersetzen.
Sehr unterschiedlich. Manche Länder setzen stark auf Emotion – etwa Monaco oder Spanien mit eindrucksvollen Bildern der Ozeane. Andere, wie Deutschland oder Japan, schaffen es, Inhalte konkret erlebbar zu machen. Nachhaltigkeit wird nicht nur als Thema präsentiert, sondern auch baulich umgesetzt – durch Materialien wie Holz oder durch Konzepte der Wiederverwendung. So wird das Thema spürbar, nicht nur erzählt.
Für mich ist klar: Aufmerksamkeit entsteht nicht durch Standardlösungen, sondern durch Inszenierungen, die überraschen und einladen. Und die eigentliche Kunst ist, diese Aufmerksamkeit in Verstehen zu übersetzen. Das heißt: eine klare Story, die an die Hand nimmt, aber auch Raum lässt, selbst zu entdecken. Genau das brauchen wir auch in der gesellschaftspolitischen Kommunikation: komplexe Inhalte so herunterbrechen, dass sie erfahrbar werden – mit einer Mischung aus Emotion und Wissen. Es reicht nicht, Menschen nur zu informieren. Es geht darum, Neugierde zu wecken und Erlebnisse zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben. Wir müssen Verbindungen zur persönlichen Lebenswelt, zum Alltag der jeweiligen Zielgruppen schaffen. Wenn Besucher*innen nach einer Veranstaltung sagen: „Das war doch die mit dem besonderen Moment, und da habe ich verstanden, worum es geht“ – dann haben wir alles richtig gemacht.
Die Expo findet vom 13. April bis 13. Oktober 2025 in Osaka, Japan statt. Mit der zirkulären Kreislaufwirtschaft widmet sich der Deutsche Pavillon einem Zukunftsthema. Für unseren Teamleiter Mark Daniels war es nicht die erste Expo – aber sicherlich die, bei der er am meisten Zeit verbracht hat.




