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„Macht kommt von Machen“ – Warum wir ein neues Verständnis von Macht brauchen

von Anne Hitz und Romy Winter

Der SocialSummit 2025 steht unter dem Thema „Macht“. Warum gerade dieses Thema?

Macht ist eines der zentralen Themen unserer Zeit – und gleichzeitig eines der am meisten missverstandenen. Viele verbinden mit dem Begriff automatisch Dominanz, Kontrolle oder gar Missbrauch. Doch das greift zu kurz. Wir wollen mit dem SocialSummit 2025 dazu einladen, Macht neu zu denken – nicht als Urteil, sondern als Werkzeug. Denn wer gestalten will, braucht Macht. Und gerade für gesellschaftliche Transformation ist es entscheidend, dass wir die konstruktiven Seiten von Macht sichtbar machen.

Warum fällt es vielen schwer, sich positiv auf den Begriff Macht zu beziehen?

Weil uns jahrzehntelang bestimmte Bilder geprägt haben: Autokraten, Konzernchefs, politische Machtspiele. Macht erscheint oft als etwas, das auf Kosten anderer funktioniert. Dazu kommt, dass psychologische Studien belegen, wie Macht menschliches Verhalten verändern kann – oft nicht zum Guten. Aber diese Erkenntnisse sollten uns nicht abschrecken, sondern sensibilisieren: Macht braucht Verantwortung. Sie verändert – ja. Aber wie sie das tut, hängt davon ab, wie wir sie leben.

Was bedeutet Macht für dich persönlich?

Für mich ist Macht Gestaltungsfreiheit. Die Fähigkeit, Dinge in Bewegung zu setzen. Etwas zu verändern – gemeinsam mit anderen. Ich glaube fest daran, dass Macht nicht im Widerspruch zu Gemeinwohl und Beteiligung stehen muss. Im Gegenteil: Konstruktive Macht basiert auf Vertrauen, auf Dialog, auf der Bereitschaft, zuzuhören. Hannah Arendt hat das schön formuliert. Sie definiert Macht als die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln. Nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Für mich ist Macht Gestaltungsfreiheit. Die Fähigkeit, Dinge in Bewegung zu setzen. Etwas zu verändern – gemeinsam mit anderen.

Du hast den SocialSummit vor vielen Jahren ins Leben gerufen. Was war dein Impuls?

Die Idee war – und ist – einen Raum für Austausch zu schaffen, in dem gesellschaftlich relevante Themen neu beleuchtet werden. Im letzten Jahr haben wir uns zum Beispiel angeschaut, wie wir uns als Gesellschaft wieder vertrauen können und welche Rolle Dialoge dabei spielen. Wichtig ist uns, dass wir Themen auswählen, die für alle relevant sind. Auch Macht betrifft jede und jeden von uns. In Organisationen, in der Politik, in der Wirtschaft, im Alltag. Wir zeigen Beispiele, wie Macht heute verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert ausgeübt werden kann – und wollen dadurch Mut machen, sich selbst als wirksam zu erleben. Es geht nicht um Macht um ihrer selbst willen. Sondern um die Frage: Wie nutzen wir sie, um positive Veränderung zu ermöglichen? 

Wer sind die Speaker*innen und was zeichnet sie aus?

Wir achten darauf, dass wir Menschen aus vielen verschiedenen Bereichen einladen. Das ist auch in diesem Jahr so – Sebastian Klein zum Beispiel, der nach dem Verkauf von Blinkist große Teile seines Vermögens an gemeinnützige Zwecke gegeben hat. Oder Politikerin Ricarda Lang, die über Macht und Machtverzicht im politischen Alltag spricht. Mit Personen wie Janina Lin Otto betrachten wir Macht aus der unternehmerischen Perspektive. Auch der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ist dabei – er bringt die Sichtweise der Sprache und des Zuhörens ein. Denn auch darin liegt Macht: in der Art, wie wir miteinander sprechen, wie wir einander begegnen.

Was wünschst du dir, sollen die Gäste vom diesjährigen SocialSummit mitnehmen?

Ich wünsche mir, dass wir ein anderes Verhältnis zu Macht entwickeln – jenseits von Misstrauen und Scheu. Dass wir anerkennen: Es ist legitim, Macht zu wollen – wenn wir sie nutzen, um etwas zu bewegen. Und ich hoffe, dass viele den SocialSummit als einen Ort erleben, an dem genau das möglich ist: Inspiration, Austausch und das Gefühl, gemeinsam gestalten zu können. Denn: Wer Angst vor Macht hat, überlässt sie denen, die weniger Skrupel haben.

SocialSummit 2025, 12. Juni 2025, PUBLIX Berlin – hier kostenlos anmelden.

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