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Gar nicht so einfach: Wie entwickelt man passende Bilder für Leichte Sprache?

von Levi Kersting und Anne Görgner

Bilder machen Texte verständlicher

Leichte Sprache hilft vielen Menschen, Informationen besser zu verstehen. Zum Beispiel Personen mit Lernschwierigkeiten oder solchen, die gerade Deutsch lernen oder nicht gut lesen können. Sie sind deshalb eine Anforderung der Verordnung für barrierefreie Informationstechnik, der BITV 2.0.

Bilder sind ein wichtiger Bestandteil der Texte: Sie zeigen, worum es im dazugehörigen Text geht und stärken damit das Textverständnis. Gerade komplexe Themen können so veranschaulicht werden. Bilder sind deshalb nach der DIN SPEC 33429 ein wesentlicher Bestandteil der Gestaltung für Texte in Leichter Sprache. Für die Prüfenden der GWK START GmbH sind Bilder eine große Unterstützung.

„Wenn man nicht gut lesen kann,
sind Bilder gut zum Verstehen.
Dann weiß man, was das Thema ist.“

Prüfgruppe der GWK START GmbH

Auch Texte in Standardsprache werden durch Bilder einfacher: Wir verstehen bildhafte Geschichten besser als in reiner Textform, unabhängig von Alter oder Bildungsgrad. Das zeigt eine Studie des Tübinger Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) und des Berliner Leibniz-Zentrums für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS).

Bilder müssen eindeutig sein

Oft sieht man ähnliche Bilder – gefühlt scheint es einen Standard-Stil für Leichte Sprache-Illustrationen zu geben. Liegt es daran, dass Vorreiter*innen wie die Lebenshilfe Bremen hier besonders sichtbar sind? Braucht die Zielgruppe Einheitlichkeit oder können die Absender*innen stilistisch individuell auftreten? Oder kurz: Können Leichte Sprache-Bilder des NABU auf einem Wald-Erlebnis-Pfad nach NABU aussehen und die der DPSG nach DPSG?

Diesen Fragen hat sich unsere Illustratorin Anne Görgner angenommen. Sie möchte, dass Menschen sich mithilfe ihrer Bilder eigenständig informieren können und so für mehr Barrierefreiheit sorgen. „Als Illustratorin finde ich es gut, wenn Sprache über Bilder transportiert wird. Das ist auch bei Leichter Sprache so.“

Dafür hat sie erstmal recherchiert, was Bilder für Leichte Sprache überhaupt ausmacht. Dabei hat sie schnell gemerkt: Es gibt viele verschiedene Regeln und wenig Übersichtlichkeit. Abhilfe schafft die DIN SPEC 33429. Sie bündelt die verschiedenen Regelwerke und fasst sie als einheitliche Empfehlungen zusammen. Darin steht: „Im Bild sollten nur solche Elemente zu sehen sein, die zum Verständnis des Inhalts beitragen. Auf ablenkende Details und detaillierte Hintergründe sollte verzichtet werden.“

Weniger Schnick-Schnack, mehr Barrierefreiheit

Damit das gelingt, hat uns die Prüfgruppe der GWK START GmbH beraten. Einige finden einheitliche Bilder gut, anderen ist es egal – Hauptsache, die Bilder helfen beim Verstehen. Einfache Bilder, die genau zeigen, was gemeint ist. Der Auftrag ist klar, die Umsetzung aber gar nicht so leicht: „Beim Illustrieren lernt man, metaphorisch zu denken und zu gestalten. Das muss man für Leichte Sprache ausschalten“, erzählt Anne Görgner.

Gleichzeitig habe sie versucht, den typischen Illustrations-Stil von neues handeln in den Bildern zu behalten: skizzenhafte Zeichnungen mit wenig Details aber viel Inhalt. Die barrierefreien Illustrationen sollen sich gleichzeitig gut in den Stil unserer Website integrieren. Damit beides gelingt, haben wir die Bilder immer wieder prüfen lassen.

Illustration von einer Person, die vor anderen Menschen einen Vortrag hält. Das Bild ist in Grüntönen eingefärbt.
Der erste Entwurf

„Bilder sind angenehmer, wenn sie bunt sind und nicht so viel los ist“, sagt die Prüfgruppe zu den ersten Entwürfen. „Die Sachen sollen Farbe haben, nicht der Hintergrund. Am besten ist wenig los im Bild. Wir brauchen keinen Schick-Schnack.“

Das Ergebnis nach der Prüfung

Das Fazit der Prüfgruppe: Die Bilder brauchen Farbe, wie sie auch in Wirklichkeit aussieht. Die Bilder sollen nur das Wesentliche zeigen. So helfen sie beim Verstehen.

Nach viel Ausprobieren und mit Unterstützung der Prüfgruppe haben wir eine gute Mischung aus Skizze und Klarheit gefunden. Eindeutige Gesichtsausdrücke funktionieren zum Beispiel auch in stärker stilisierter Form. So heben sich unsere Illustrationen von bisher bekannten Bildern für Leichte Sprache durch ihren lockeren Stil ab. Was nicht geht: Nur wenig oder unnatürliche Farbe verwenden – ein gutes Learning für zukünftige Projekte.

Ohne Prüfgruppe geht es nicht

Bilder für Leichte Sprache dienen der Verständlichkeit. Wir haben viel ausprobiert und letztendlich gemerkt: Am wichtigsten ist die Praktikabilität. Texte in Leichter Sprache helfen den Lesenden, sich Informationen eigenständig zu beschaffen und sind damit ein Schlüssel für mehr Teilhabe. Dafür musste unsere Gestalterin einiges, was sie bisher über Illustrationen gelernt hat, wieder ablegen. Ihr Fazit:

„Alles eindeutig und ohne viel Spielraum für Interpretationen zu zeichnen, ist schwerer als man denkt – aber mit Unterstützung der Prüfgruppe können wir eine gute Mischung finden.“

Anne Görgner, Illustratorin bei neues handeln

Damit Teilhabe wirklich gelingt, müssen wir die Prüfgruppe einbeziehen. Sie kann uns am besten sagen, was sie braucht, damit alle die Bilder gut verstehen. Nach der DIN SPEC sind die Bilder verständlicher, wenn sie sich auf die Lebenswirklichkeit der Nutzenden beziehen. Wir können zwar individuelle Illustrationen erstellen, doch die Expertise der Zielgruppe haben wir ohne die Unterstützung der Prüfgruppe nicht. Teilhabe entsteht durch die Entscheidungen mit der Zielgruppe – nicht über sie.

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