Und wir so?

Von Isabel Canet am 01. März 2018

2019 wird neues handeln 30 Jahre alt – ein ganz schönes Alter für eine Agentur. 30 Jahre Kommunikation für gesellschaftliche Themen, für Ministerien, für NGOs, für Stiftungen. Wie schafft man es bei so viel Erfahrung, den Blick für Neues offen zu halten? Und in welchen Bereichen der Agentur ist kreatives Um-die-Ecke-Denken besonders gefragt? Wir haben uns in den Büros umgehört – und die gefragt, die es wissen müssen.

Straight to the point

Wer in sozialen Netzwerken auffallen will, braucht etwas Besonderes. Es gibt zwar Rahmenbedingungen aber kein Patentrezept. Bewegtbild funktioniert gut. Aber nicht jeder Film mit Humor, kurzen Cuts und einem verständlichen Thema geht viral. Damit Inhalte ankommen, ist es aber auch gar nicht so wichtig, dass etwas eine hohe Reichweite hat. Viel mehr zählt für mich die Klarheit, mit der ich kommuniziere und ein Thema auf den Punkt bringe. Das ist manchmal viel herausfordernder als alles Querdenken. Bei sozialen Netzwerken steht für mich noch etwas anderes im Fokus: Man kann sie nutzen, um eine Community aufzubauen – dabei sollte man nicht so sehr auf die Reichweite schauen. Dass Facebook seinen Algorithmus geändert hat, geht ja auch in diese Richtung. Ich lerne in meiner Ausbildung zum Kommunikationsmanager viel über kreative Methoden. Und was passiert dann im konkreten Projekt? Da findet man die beste Idee häufig auf dem Flur, zwischen Tür und Angel, zufällig im Gespräch.

Michael Herth ist Volontär bei neues handeln.

Zarte Pflänzchen wachsen lassen

Um auf kreative Ideen zu kommen, ist es spannend, Dinge zu kombinieren, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – die aber auf den zweiten Blick eine enorme Kraft entfalten. Wir haben beispielsweise eine Idee für eine Kampagne zum Organspendeausweis gesucht. Da lag ein gefaltetes Blatt Papier auf dem Tisch und irgendwie kam es zu dem Gedanken „Was, wenn man den Ausweis in Origami-Technik faltet?“ Klingt abwegig. Aber das ist der Punkt, dass man solche kleinen, zarten Pflänzchen nicht direkt „wegmäht“, sondern schaut, ob etwas Tragfähiges daraus wachsen kann. Wir haben letztlich den Ausweis in Form eines Kleidungsstücks gefaltet, mit dem Text „Egal, wie Sie ihn tragen, Hauptsache, Sie haben ihn“. Und haben so eine Kampagne mit ungewöhnlichem Ansatz etabliert.

Viele Ideen landen „in der Tonne“, weil sie nicht zu den Kundinnen oder Kunden passen, nicht umsetzbar sind, strategisch nicht klug, zu aufwendig oder die Botschaft nicht stimmt. Das kann frustrierend und nervenaufreibend sein. Umso mehr ist man elektrisiert, wenn man merkt: Hier ist eine starke Idee, die trägt und Spaß macht!

Christina Roser ist Kommunikationsdesignerin und arbeitet als Art-Direktorin bei neues handeln.

Die Mischung macht’s

So vielfältig unsere Kundinnen und Kunden und Aufgaben sind, so vielfältig sind auch die Erfahrungen, die wir bei den Kolleginnen und Kollegen benötigen. Wer in einer Agentur arbeiten möchte, bringt in der Regel ohnehin eine Menge Lust am Querdenken mit, sonst würde man mit unserer Art zu arbeiten nicht glücklich. Sehr heterogene Teams sind inspirierend, aber natürlich auch eine Herausforderung. Und deswegen ist mir eine gute Mischung wichtig – aus Menschen mit verschiedenen Erfahrungshintergründen, Charakteren und Herangehensweisen an die Dinge.

Wichtig sind aber nicht nur kreative Lösungen für Kundinnen und Kunden und Projekte. Die braucht man auch bei einem Thema wie der Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf. Ob Kinder, zu pflegende Eltern oder ein Hobby – hier suchen wir individuelle Wege, Arbeitszeiten zu gestalten.

Verena Carstensen ist am Berliner Standort für das Team Personal verantwortlich.

Die Form öffnet die Türen

Das Wichtigste, um Kreativität im Raum sichtbar zu machen, ist die passende Übersetzung. Die Inszenierung muss das Thema transportieren und bei den Menschen in Erinnerung bleiben, sie zum Denken anregen. Das kann über eine Installation, ungewohnte Objekte, über Boden- oder Wandelemente oder über eine Veränderung bestehender Elemente im Raum erfolgen. Entscheidend ist, mit den Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten der Zielgruppe zu spielen, sie zu irritieren. Das Querdenken erleichtert die Übersetzung und die einfache und ungewöhnliche Vermittlung. Die Inszenierung muss aber immer eng mit dem Anliegen korrespondieren. Es bringt nichts, die reine Aufmerksamkeit zu erzielen, aber keine konkreten Botschaften zu transportieren. Wir verkaufen keine Produkte, die schön erscheinen sollen, sondern Inhalte, die es zu verankern gilt. Wir haben nur eine Kontaktmöglichkeit und die muss im Sinne der Sache, im Sinne der Botschaft sitzen. Hier trifft der gute alte Sullivan zu: Die „Form folgt der Funktion“ – aber mit der kleinen Erweiterung „die Form öffnet die Türen“. 

Mark Daniels ist Teamleiter bei neues handeln und verantwortlich für den Schwerpunkt Live-Kommunikation.

Kommunikativer Ehrgeiz

Kreativ bleibe ich, weil ich die Themen und Projekte mit Leidenschaft und Spaß angehe. Diese gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden, den Kolleginnen und Kollegen zu entwickeln, gibt mir die Energie, jede neue Aufgabe neu zu durchdenken. Dabei ist mir wichtig, immer wieder neugierig zu sein und mir die Zeit zu nehmen, scheinbar gut geölte Abläufe zu hinterfragen. Das ist im Alltag nicht so leicht, klappt aber, wenn ich diese Momente in die Planung einbaue. Auch wenn Neues nicht immer ankommt oder umgesetzt werden kann, so ist es letztlich die Erwartung an uns, unsere Kundinnen und Kunden zu inspirieren. Dafür braucht man eine gute Portion sportlichen Ehrgeiz. Oder besser: kommunikativen Ehrgeiz.

Christina Ernst ist Teamleiterin/Beratung und arbeitet seit 2003 bei neues handeln.

Methode, nicht Lösung

Der Duden beschreibt einen Querdenker als jemanden, der „eigenständig und originell denkt und dessen Ideen und Ansichten oft nicht verstanden oder akzeptiert werden“. Damit ist beantwortet, welche Bedeutung Querdenken für unsere Arbeit hat: Querdenken beflügelt! Gerade zu Beginn von Akquiseprozessen ist es häufig sehr fruchtbar, alles rauszuhauen – auch wenn es scheinbar unpassend ist, irritiert oder zum Widerspruch herausfordert. Genau darüber kommt ein kreativer Prozess in Fahrt. Doch Originalität alleine führt selten zum Ziel. In erster Linie sehen wir uns als starke Vermittler von oft komplexen Themen; wir unterstützen unsere Kundinnen und Kunden, mit ihren Anliegen wahrgenommen und eben auch verstanden und akzeptiert zu werden. Querdenken sehen wir daher mehr als Methode denn als Lösung.

Tobias Löser ist Teamleiter bei neues handeln und Mitglied im Team Akquise.